Seit ich 1985 18 Jahre alt wurde, habe ich an jeder Wahl teilgenommen. Jede Bundestags-, Landtags-, Kommunal-, oder Bürgerweistewahl. Jedes mal bin ich meinem Recht nachgekommen, Einfluss ausüben zu können.

Ich habe mich bei meinen Wahlentscheidungen nie von Vorgaben leiten lassen. So Sätze, wie „Du musst SPD wählen, weil Du bist ja Arbeiterkind/Arbeiter“ fand ich schon immer beschissen.

Ich habe im Laufe der Jahre sowohl der SPD als auch der CDU schon einmal meine Stimme gegeben. Selbst die FDP hat mich einmal davon überzeugen können, sie wäre eine würdige Vertreung für mich. Sehr häufig habe ich aber den Grünen meine Stimme gegeben. Erschienen sie doch als deutlich jünger und näher am Leben als die anderen Parteien. Auch die Linke hatte, kurz nach dem Zusammenschluss (PDS/WASAG) ein paar Ansätze, die es in meinen Augen wert gewesen sind, stärkere Beachtung zu finden.

Ich habe immer daran geglaubt, dass das System Demokratie, wie wir es hier praktizieren, einen echten Einfluss möglich macht. Doch in den 24 Jahren von 1985 bis 2009 hat sich nicht nur für mich, sondern für die meisten Menschen, das Leben immer weiter verschlechtert. Die o.g. Parteien überboten sich gegenseitig in Vorschlägen wie alles besser werden könnte, waren aber bei genauerer Betrachtung lediglich daran interessiert, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Einen Unterschied zwsichen einer Rot/Grünen oder Schwarz/Gelben Regierung vermag ich nicht mehr zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Besonders in Zeiten von Rot/Grün im Bund ist die Enteignung der Bürger sowie die massenhafte Unterschlagung vom Volkseigentum durch „Privatisierung“ gefühlt sogar noch scheller vonstatten gegangen. Möglicherweise, weil die Menschen immer noch den „SPD=Arbeiterpartei“ nimbus im Kopf haben.

Als ich dann 2009 auf die Piratenpartei aufmerksam wurde, dachte ich mir, dass hier endlich eine Lösung des Demokratieproblems liegt.

„Mitmachpartei“, „Basisdemokratisch“ – Vokabeln die mir das Gefühl gaben, hier liegt eine Chance das System „von innen heraus“ zu reformieren. Besser zu machen. Wieder den Weg zu einer Politik für die Menschen einzuschlagen.

Nun, nach 4 Jahren in dieser Partei bin ich überzeugt, dass die Piraten den Weg der Grünen nehmen. Nur dass sie dabei schneller sind. Das mag u.a. an den veränderten Kommunikationsmöglichkeiten liegen, aber auch an der Tatsache, das die Partei in den letzten 2 Jahren enorm schnell gewachsen ist. Das hat natürlich auch Pöstchenjäger und Spinner angezogen.

Als der Bundesparteitag letztens beschlossen hat, nicht zahlende Mitglieder „um die Arbeit der Verwaltung zu erleichtern“ faktisch aus der Partei ausgeschlossen werden sollen, war wohl auch der Punkt „Mitmachpartei“ dahin.

Von den „Leistungen“ des Bundes- und dem für mich zuständigen Landesvorstand möchte ich hier noch nicht einmal reden. Das würde diesen Artikel sprengen.

Letztlich sehe ich auch in der Piratenpartei keine Alternative für eine Wahl.

Das Problem das ich habe: Ich halte das System der Parteiendemokratie für hochgradig fehlerhaft und korrupt.

Gäbe es eine Möglichkeit, bundesweite Direktkandidaturen zu wählen und zwar mit „n“ Stimmen, dann würde ich bestimmt ganz vielen Menschen aus verschiedenen Gruppierungen eine Stimme geben. Denn ich sehe, dass es in allen Parteien und Gruppierungen einzelne Menschen gibt, die sich wirklich um Problemlösungen kümmern und nicht von irgendwelchen Ideologien geblendet sind.

Doch oftmals können diese Menschen aufgrund der Parteienstrukturen keine Lösungsansätze liefern.

Also habe ich nur die Möglichkeit Scheinideologien zu wählen. In der Hoffnung, dass die dann gewählten sich dann nach der Wahl noch daran erinnern welche Ideologie sie vor der Wahl vertreten haben.– Sie tun es nicht.

Also habe ich mich entschieden, dieses mal der größten Gruppe meine Stimme zu geben. Der Gruppe von Menschen, die dieser korrupten, von Industrieinteressen zerfressenen Scheindemokratie keine weitere Legitimation durch eine Wahl geben wollen. Die Nichtwähler.

Nach 28 Jahren werde ich mein Recht auf Nichtwahl wahrnehmen.

Und an alle, die mir jetzt mit „so kannst Du nichts ändern“ kommen: Das Kreutzchen ändert auch nichts. Nur dass sich die gewählten Volksverräter hinstellen und davon schafeln dürfen, alle ihre Enstcehidungen wären schließlich demokratisch legitimiert.

Nicht mehr von mir.

———-

Nachtrag vom 11.9.2013

Es wird immer klarer: Die Merkelregierung muss weg. Daher kann die Empfehlung nur lauten:

Geht Wählen!

Egal was. Nur nicht CDU oder FDP.
Ich habe mich inzwischen überzeugen lassen, dass jeder der nicht wählt, das Stimmgewicht der Wählenden verstärkt.

-> Wenn von den 100% Wahlberechtigten 50% nicht wählen und von den verbliebenden 50% nur 40% die CDU wählen, ist sie wieder stärkste Partei. (Wobei das nur 20% der Wahlberechtigten entspricht.)

Jede weitere Stimmabgabe für IRGENDEINE Partei schwächt also das CDU FDP Lager.

Was aber, wenn womöglich 6Parteien in den Bundestag kommen?

PRIMA! Dann kann niemand einfach durchregieren oder mit einer 2Parteienkoalition machen was Er/Sie will. Dann sind alle Vertretenen Parteien gezwungen, gemeinsame Lösungen zu finden.

Also wählt nicht, wenn Ihr für absolut Regierunsfähig haltet, sondern wählt, von wem Ihr hofft nach der Wahl am wenigsten beschissen zu werden.

ALSO: Am 22.September Wählen!

Und ab 23.September den Gewählten in den Arsch treten, für jedes Wahlversprechen, das nicht eingehalten wurde…

Advertisements